Die Cross Therapie

Die Physiotherapeutin Lilo Cross begann in den 80er Jahren damit, eine eigene Therapieform zu entwickeln, die auf einer symmetrischen, also seitengleichen Ausrichtung des Körpers beruht. Kern- beziehungsweise Ausgangspunkt ihrer Überlegungen und auch Erfahrungen war die Tatsache, dass viele Beschwerden des Bewegungsapparates, insbesondere in den Bereichen der Hüfte, der Wirbelsäule oder der Knie und sogar auch im Kiefer auf eine Schiefstellung des Beckens zurückzuführen sind. Dadurch, dass der Beckenring schief steht, muss der Körper, um die aufrechte Haltung zu behalten, seine Statik an anderen Stellen des Skeletts ausgleichen, was schließlich zu Schmerzen in den einzelnen Bereichen führen kann. Anders formuliert, versucht die Wirbelsäule Schiefstellungen durch Gegenkrümmungen zu kompensieren, um das Gleichgewicht zu erhalten.
 
Methode
Zu Beginn der Cross-Therapie erfolgt eine genaue Untersuchung des Knochenbaus und der Muskulatur sowie eine Vermessung des Beckens. Dazu stellt sich der Patient in ein von Lilo Cross entwickeltes Instrument, "Acromiopelvimeter" genannt, mit dem sie die Höhen der Beckenkämme bestimmt. Wird ein Unterschied zwischen den beiden Seiten ermittelt, versucht die Therapeutin, das Becken wieder gerade zu stellen. Dazu legt sich der Patient in Rückenlage auf eine Liege. Die Therapeutin führt ein Bein bogenförmig an der Seite der Liege entlang, um so die Hüftgelenke in eine gerade Linie zu bringen. Der Gleichstand, also ein gerades Becken, ist die Voraussetzung für den anschließenden Teil der Methode. In den folgenden Wochen oder auch Monaten ist das Eigenengagement des Patienten gefordert: Er muss täglich einfache gymnastische Übungen machen. Unter der Kontrolle im Spiegel trainiert er die Muskeln gleichmäßig, damit die gerade Statik des Körpers erhalten wird. Während dieser Zeit sind regelmäßige Kontrollen ratsam, um festzustellen, ob der Patient die Übungen richtig macht und ob das Becken immer noch gerade ist oder nicht wieder in die Schiefhaltung zurückgerutscht
ist, was leider manchmal leicht passieren kann.


lliosakralgelenk
Das Becken besteht aus drei Teilen, den beiden pfannenförmigen, so genannten Hüftbeinen links und rechts und dem Teil dazwischen, auf dem die Wirbelsäule steht. Dieser stellt eine Verschmelzung von Kreuzbein, Darmbein und Steißbein dar. Er galt bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit lediglich als unbewegliches Mittelstück zwischen den Hüftbeinen. Seine Beweglichkeit kann aber zu Schiefstellungen des Beckens und den oben genannten Auswirkungen führen. Meistens wird durch einen Sturz, einen Stoß (etwa bei einem Auffahrunfall mit dem Auto) oder ein starkes Abspreizen eines der Beine das so genannte Illiosakralgelenk, kurz ISG, ausgerenkt und bleibt in der leicht verkeilten Position zwischen den Hüftbeinen stehen. Die Folge: Das Becken ist verwrungen, schief, eine Seite steht dabei höher. Dadurch, dass die Innenflächen der Knochen rau sind, kann das ISG nicht in die gerade Position zurückrutschen. Anders verhält es sich bei Kindern, deren Gelenkinnenseiten glatt sind, was etwa nach einem Sturz eine leichte Rückkehr in die gerade Position erlaubt. Aber beim durchschnittlich beweglichen Erwachsenen kann eine Schiefstellung entstehen, die mit der Zeit den gesamten Körper durchzieht und zu Schmerzen zum Beispiel im Bereich der Wirbelsäule, zu Bandscheibenschäden oder zu Beschwerden in Fuß- und Beingelenken führt. Je nach körperlicher und gesundheitlicher Gesamtdisposition kann dafür schon eine Verwringung von nur wenigen Millimetern ausreichen.

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